Der Garten des Projekttages

“ Garten und Therapie” des Grünen Klassenzimmers der OLGA
vom 27.8.1999


Am 27. August fand auf der Oberhausener Landesgartenschau ein Projekttag zum Thema “Garten und Therapie” statt. Dieser Projekttag richtete sich als ein Bestandteil des “Grünen Klassenzimmers” der Gartenschau an Schulklassen, die sich intensiver mit diesem Thema befassen wollten. Dabei war die Nachfrage sehr hoch, nicht jede Schulklasse, die Interesse zeigte konnte berücksichtigt werden.

Zum Schluß waren es dann über 60 Oberstufenschüler und Lehrer die dieses Angebot annahmen. Unter Anleitung von Gärtnern und Therapeuten konnten sie dann verschiedene Aspekte dieses Themenbereiches erleben. So gab es die Möglichkeit selber mit Einschränkungen , wie Einhändigkeit zu gärtnern,oder es gab Einblicke in den Alltag der Psychiatrie und wie wichtig in diesem Bereich Gartengestaltung und Gartenarbeit sein können.


Ein Teil dieser “Unterrichtseinheit” bestand darin, sich Gedanken über die Besonderheiten und Notwendigkeiten eines Klinikgartens zu machen. Dafür wurden von den Schülern zunächst eigene Erfahrungen gesammelt. Künstlich durch eine schwarze Brille erblindet oder aus der ungewohnten Position im Rollstuhl erschloß sich den Jugendlichen das Gelände der Gartenschau auf eine ganz neue Art und Weise. Probleme der Orientierung und der Mobilität konnten selber erfahren werden.

Aber nicht nur die praktischen Notwendigkeiten eines Klinikgartens sollten erarbeitet werden. Ebenso wichtig war es sich Gedanken über Gartengestaltung im Allgemeinem zu machen, den Sinn eines Gartens in seiner Schönheit zu finden.

Anschließend galt es das soeben erfahrene umzusetzen. Anhand einer erdachten “Normklinik” und ihres Grundrisses sollte ein Gartenplan entstehen.

Nachdem die Jugendlichen also auf diese Art und Weise das gelände der Landesgartenschau erkundet hatten wurden anschließend als ein Ergebnis die Resultate dieser Überlegungen auf einen vorgegebenen Plan übertragen.

Der vorgegebene Grundriss dieser angedachten Klinik sah dabei wie folgt aus:



Auf dieser Basis begannen die Oberstufenschüler nun also ihre Vorstellungen zu übertragen.Zunächst standen in dieser anfänglichen Planungsphase die erlebten Defizite im Mittelpunkt. Der Garten wurde in ein klar erkennbares Muster geteilt. Lange gerade Hauptwege und davon abgehende rechtwinklige Nebenwege sollten die Orientierung erleichtern.Überlegungen zu leicht befahrbaren Wegebelägen wurden festgehalten. Übungselemente wurden ersonnen und in die Nähe der Klinik plaziert. Fließendes Wasser sollte als akustischer Orientierungspunkt dienen.

Immer neue Elemente wurden erdacht : Ein Sportplatz, ein Gemüsegarten, ein Labyrinth.
Je mehr nun diese Überlegungen zeichnerisch ihren Platz im Garten fanden, desto deutlicher wurden auch die Bemühungen nicht nur ein neutrales Übungsfeld zu erschaffen, sondern einen schönen Garten. Die Schüler begannen verstärkt mit Formen zu spielen, zogen Gedanken zur Bepflanzung mit ein, und die zuvor als sinnvoll und notwendig erdachten Elemente fügten sich immer mehr zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Gerdezu erstaunt stellte man am Ende selber fest, daß dieser Entwurf nicht so aussah, wie man das zuvor selber von einem angepaßtem Klinikgarten gedacht hatte. Was erfreulicherweise entstand war weniger ein “Krankengarten” als ein “Menschengarten”.









Andreas Niepel / Hattingen