Gärtnern in der Rehabilitation - Kurzfassungen
Stefan Schieberle
Klinikum Holthausen, Hattingen
In der Gartentherapie in der neurochirurgischen Rehabilitation werden zum einen Patienten mit funktionellen Ausfällen (z.B. Halbseitenlähmungen) oft in Verbindung mit Einschränkungen der Sensibilität (Berührungs- und Temperaturempfinden) zum anderen mit neuropsychologischen Ausfällen und Störungen des Bewußtseins behandelt. Häufig kommt das eine auch in Verbindung mit dem anderen vor. In Gruppen- oder Einzeltherapien hat sich die Kooperation zwischen Gärtnern und Therapeuten bewährt.
Mit Hilfe von gärtnerischen Tätigkeiten werden die Patienten auf dem Weg der Wieder-Erlangung der Selbständigkeit unterstützt.
Andreas Bokeloh
Ergotherapie-Garten - Umsetzen von Gelenk- und Wirbelsäulenschutzprinzipien in den Alltag am Beispiel Gartenarbeit
Bezugnehmend auf die Ziele der Rehabilitation (s.Gelenkschutz) geht es langfristig um eine Verhaltensänderung im Alltag. Gelenkschutz- bzw. Wirbelsäulenschutzprinzipien in den Alltag umzusetzen ist schwer. In jeder Gruppe hören wir: “Theoretisch schön und gut, aber praktisch?“ Aus der Erwachsenenpädagogik ist außerdem bekannt, daß von Dingen, die nur gehört werden ca. 20 % in Erinnerung bleiben, von Dingen, die gehört und gesehen werden jedoch schon ca.50 %.
Ca. 90% bleiben im Gedächtnis, wenn diese Dinge auch noch praktisch erfahrbar gemacht werden.
Wichtig ist also, daß wir nicht nur Informationen weitergeben, sondern diese auch in die Praxis umsetzen. Hierbei treten oft im Einzelfall Probleme auf, für die individuelle Lösungen oder Kompromisse gefunden werden müssen Es stellt sich die Frage, welcher Bereich aus Beruf, Haushalt oder Freizeit möglichst viele unserer Patienten anspricht. Dazu achteten wir auf die Merkmale unserer Patienten:
im Rehazentrum Bad Eilsen werden überwiegend LVA-Patienten behandelt
unsere Klientel besteht aus mehr Männern als Frauen
diese Patienten üben oft handwerkliche Berufe aus
viele unserer Patienten arbeiten als ungelernte Arbeiter, d. h. oft körperlich schwere Arbeit auch bei Frauen
unsere Patienten haben ein mittleres Alter, sehr junge oder sehr alte Patienten sind selten
mindestens 80% der Patienten sind Haus- und Gartenbesitzer
Zu den üblichen Möglichkeiten Gelenk- oder Wirbelsäulenschutzprinzipien in die Praxis umzusetzen, wie im Küchen- oder Haushaltsbereich, erweiterten wir unser Angebot um den Bereich Garten. Die Vorteile liegen auf der Hand:
• Gartenarbeit spricht sowohl Frauen als auch Männer an
• viele unserer Patienten wollen oder müssen Gartenarbeit verrichten (eigener Garten oder evtl. sogar beruflich)
• Gartenarbeit bereitet Freude und fördert die Kreativität
im Rahmen der Gartenarbeit lassen sich sowohl gelenkschonende als auch rückenschonende Arbeitsabläufe trainieren
• bei der Arbeit im Garten kann der Umgang mit Hilfsmitteln und Adaptionen trainiert werden, ebenso das Tragen von Schienen.
Christa Berting Hüneke
Therapiegarten: üben, schauen, genießen:
Das therapeutische Angebot des Geriatrischen Zentrums Hagenhof wurde 1997 durch eine Gartenanlage erweitert. Patienten mit körperlichen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen können hier unter therapeutischen Anleitung und Begleitung
• wieder gewonnene Fähigkeiten praktisch erproben
• Bleibende gesundheitliche Einschränkungen kompensieren lernen
• Freude und Erholung durch Beschäftigung in und mit der Natur erfahren
• Empfohlene Arbeitshaltungen und Arbeitsgeräte ausprobieren
Der Garten als ein Ort individueller Betreuung in der Einzeltherapie sowie für geselliges Arbeiten in kleinen Gruppen: dieses Angebot wird von den vielen älteren Patienten interessiert und freudig angenommen.
Der beträchtliche Aufwand, den dieses Therapieangebot darstellt, soll zusätzlich zum therapeutischen Nutzen thematisiert werden.