Gärtnerische Therapie und therapeutischer Garten

Erfahrungen am Beispiel der neurochirurgischen Frührehabilitation

Dr. Michael Amend, Klinikum Holthausen



Für die Gruppe von Patienten, die nach einem neurochirurgischen Eingriff einer adäquaten klinischen Weiterbehandlung bedürfen, wurde 1993 die Klinik Holthausen eröffnet. Es stehen 210 Betten für Erwachsene und 60 Betten für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Das Krankheitsspektrum umfasst sämtliche Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, die einer operativen Behandlung zugänglich sind.


Standort der Klinik ist Holthausen im Süden der 61.000 Einwohner zählenden Stadt Hattingen am Rande eines feld – und waldreichen Grüngürtels. Die Gartenanlage umfasst 14 ha. Die zur Klinik gehörende landschaftliche Umgebung und der Garten der Klinik wurden von Anfang an in Gestaltung, Organisation und Pflege an den therapeutischen Zielen unserer Patienten ausgerichtet und die gärtnerisch tätigen Mitarbeiter, unter der Leitung von Herrn Andreas Niepel, im Stellenplan verankert.


7000 t Boden musste verschoben werden um innerhalb des leicht hügeligen Geländes ebene Flächen zu schaffen, die für die meisten unserer Pat. gut erreichbar sind. Die vorhandenen Niveauunterschiede des Geländes wurden beibehalten und in mehrere Ebenen mit entsprechenden Übergängen unterteilt, sodass dadurch unterschiedliche natürlich vorgegebene Erlebnis – und Aufenthaltsbereiche entstanden. Verbunden sind diese Flächen durch einen befestigten Weg, sodass die Patienten mit Fahr- und Gehhilfen (Rollstuhlfahrer , Rollator, Gehilfen, Schienen etc.) fast jede Ebene erreichen können. Entstanden ist ein weitläufiger Landschaftsgarten, der sich harmonisch in die umgebende Feld und Waldlandschaft einfügt.


Da für viele Patienten nach unterschiedlich langer akutmedizinischer Vorbehandlung der erste „Außenweltkontakt“ im Rahmen des Krankheitsprozesses in diesem Garten stattfindet, wurde primär Wert auf die Kontaktaufnahme mit den Elementarbereichen und deren Wesensrepräsentanten gelegt, ohne primär therapeutisch-übenden Anspruch.


Ein zweiter bestimmender Aspekt war die Realisierung der Tatsache, dass die

meisten Patienten den Garten zunächst nur mit Blick aus der Vogelperspektive über mehrere Stockwerte hinweg kennenlernen, was zu einer Betonung von Strukturelementen führte (geometrische Elemente, Plastiken, Bodenstrukturen), die einerseits das Interesse wecken sollte, diese Bereich später kennenzulernen,

andererseits bei der Erkundung des Gartens Orientierungshilfe bieten sollten. Die Inhalte des weiteren Gestaltungskonzeptes entstanden aus der Synthese von krankheitsbedingten Defizite, der Patienten den sich daraus ergebenden therapeutischen, ärztlichen und pflegerischen Behandlungskonsequenzen und dem Geschick und Können der Gärtner diese gestaltend umzusetzen. In diesem Sinne ist der Garten der Klinik Holthausen in hohem Maße therapeutisch konzipiert aber nicht primär als Therapiegarten erkennbar.


Als Beispiele für die unterschiedlichen Erlebnisse und Aufenthaltsbereiche sind z.B. der Sport- und Spielbereich für Patienten und Mitarbeiter, der Planetenweg (im Maßstab 1 : 10 Mill. führt der Weg durch unser Sonnensystem), der Duftkübelweg und der Ruhegarten genannt. Beispielhaft für die Gestaltung der Therapiebereiche und der sensomotorischen Förderung ist die Außengehschule mit Treppen unterschiedlicher Stufengestaltung, Laufschnecke, Laufgeländer und Barfussweg. Ebenso steht der Garten auch anderen Therapiegruppen als therapeutischer Rahmen zur Verfügung, wie z.B. das Bildhauern und Malen im Rahmen der Kunsttherapie.


Im Laufe der Jahre übernahmen die Gärtner nun selbst therapeutische Tätigkeiten. Im Erwachsenenbereich in Anbindung an die Ergotherapie wird sowohl im Gewächshaus als auch im freien Gelände mit Patienten gearbeitet, zur Verbesserung Ihrer sensomotorischen und neuropsychiatrischen Defizite.


Die Zusammenarbeit mit den Heilpädagogen im Kinderbereich umfasste zunächst die Spielplatzgestaltung. In einer Gartengruppe für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, die ebenfalls von Gärtner und Heilpädagogen gemeinsam durchgeführt wird, werden neben funktionellem Üben jahreszeitlich anstehende Arbeiten, Kleingartenprojekte und Wissensvermittlung für die Schulkinder durchgeführt.


Ebenfalls eignet sich der Garten vor dem Kinderhaus sehr gut für das jährlich dort durchgeführte Sommerfest, ein Begegnungsort für Eltern, Therapeuten und ehemalige Patienten und deren Angehörigen.


Ein besonderes Schwergewicht der Klinik liegt in der Behandlung von Patienten mit schweren hirnorganischen Psychosyndromen, die auf Grund schwerster Gedächtnisstörungen und Weglauftendenz bei fehlender Kritik- und Urteilsfähigkeit

gegenüber der Krankheitssituation geschlossen behandelt werden müssen. In Anlehnung an die Anfang diesen Jahres neu eröffnete geschlossene Abteilung mit 14 Betten wurde ein geschlossener Therapiegarten konzipiert, beruhend auf unserer klinischen Erfahrung mit diesen Patienten.


Dr. med. M. Amend
Arzt für Neurologie und Psychiatrie
Psychotherapie-
Bereichsleiter Psychiatrie


( Ausführliche Darstellung des Gartens der Klinik Holthausen hier)