Kongressnachlese - Von den agricolen Kolonien zur Gartentherapie von heute ( Konrad Neuberger)

Von der agricolen Kolonie zur Gartentherapie

Konrad Neuberger

Kurzfassung



Gartentherapie hat als landwirtschaftliche/gärtnerische Betätigung von Kranken eine Tradition, die in Europa seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert ist.

Die Geschichte der Irrenanstalten und der Kliniken belegt eine durchgehende Anwendung als Beschäftigungs- und Arbeitstherapie. In den Kolonien ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Gartenbau und Landwirtschaft dann zum Mittelpunkt der Beschäftigungsbehandlung gemacht, die vom Arzt nach individueller Indikation verordnet und überwacht wurde. Paetz in Altscherbitz ab 1876 wie auch Hermann Simon in Gütersloh seit 1920 zeigten, wie Gartenbau systematisch zum Heil von Kranken angewandt werden kann. Es zeigte sich immer wieder: auch Psychopharmaka und andere therapeutische Verfahren konnten ohne die regelmäßige Beschäftigung, zu der auch die in Natur und Garten gehört, ihre Wirkung nicht entfalten.

Mit den geforderten Wirkungsnachweisen, die in allen Bereichen der Medizin unabdingbar sind, muss sich auch die Gartentherapie auseinandersetzen. Deshalb sind Fortbildung selbstverständlich, Konzeptbildung systematisch notwendig und Forschung der nächste Schritt, um die im Alltag gewonnenen Erkenntnisse abzusichern. Gartenspezifische Nutzer-Fragebögen sind ein erster Schritt, um zu generalisierbaren Ergebnissen zu gelangen. Bei Gartentherapie handelt es sich um ein therapeutisches Arbeiten im Garten, mit allen Mitteln des Gartens, und diese werden mit anderen Ansätzen und Methoden kombiniert. Gartentherapie, oft nicht so benannt, wird meist in Form von Arbeitstherapie-Gartenbau, Arbeitstraining, Belastungserprobung und anderen Rehabilitationsverfahren praktiziert. Nach dem Schema: Diagnose – Zielplanung – Durchführung werden im individuellen Fall Defizite und Ziele benannt und dann versucht, diese mit gartentherapeutischen Mitteln zu erreichen.

Gartentätigkeit zählt zu den vielfältigsten Beschäftigungen und ist neben der Erziehung das wichtigste Hilfsmittel gegen psychische Symptome.