Gedanken zur Planung einer Außengehschule
Die nachfolgenden Daten sollen und können natürlich keine Allgemeinvorgabe für die Planung von Gehschulen sein, sondern entspringen der eigenen Erfahrung des Autors. Eine jede Gehschule muß, um sinnvoll zu sein, natürlich individuell auf die entsprechenden Patienten ausgerichtet sein. Dieses bedeutet also eine möglichst frühe Einbeziehung derjenigen, die diese Gehschule nutzen werden.
Im Grunde sind die aufgelisteten Punkte so etwas wie minimale Grundüberlegungen. Daher soll auch auf die Darstellung spezieller Übungselemente verzichtet werden
1. Gefällstrecken
Gefällstrecken können sowohl zu Übungszwecken für Rollstuhl/ Hilfsmittelfahrer als auch für Gehübungen genutzt werden.
Da diese Strecken durch ihr Gefälle schon eine Übungssituation an sich darstellen, sollte der Belag klar und gerade sein. Besonders bei Pflasterungen ist darauf zu achten, daß nicht durch den Belag zusätzliche Schwierigkeiten entstehen.
Sinnvolle Steigungen sind:
• 1-4 %für Anfängerübungen
• 6-7%als übliche Rampensituation an alltäglichen Bauwerken
• 12%für maximale Rollstuhlübungen ( Bremsen und Kontrolle nach starker Beschleunigung)
• 18-25%für Gehübungen an der steilen Rampe
Gerade bei Rollstuhlrampen ist abhängig von der Steilheit der Rampe für einen entsprechend langen Auslauf zu sorgen. Die Wegebreite sollt minimal 1,50 M betragen, besser 1,80 M so daß sich zwei Rollis begegnen können. Bei steileren Rampen sind auch breitere Situationen sinnvoll.
Die Länge der Rampe sollte ein sinnvolles Üben ermöglichen.
2. Treppen
Bei Treppen ist es sinnvoll dem Patienten und dem Therapeuten möglichst viele verschiedene Treppen anzubieten,was Trittgreite und Stufenhöhe betrifft. Jedoch sollte jede Treppe für sich einheitlich sein, um keine Sturzgefahr heraufzubeschwören.
Das heißt, sinnvoll ist meist die Anlage mehrerer Treppen. Die Oberflächen sollten dabei klar sein und nicht ablenken . Ebenso muß natürlich eine Rutschsicherheit gegeben sein.
Zu bedenken ist auch, daß man Treppen mit Überstand schafft, da diese eine schwerere Übungssituation darstellen. Die Handläufe sind so anzubringen, daß sowohl der Patient alleine, mit einem Handlauf links oder rechts, mit zwei Handläufen als auch mit Therapeutem als Führendem üben kann.
3. Bodenbeläge
Verschiedene Bodenbeläge sind sinnvoll, allerdings sollte die Art des Belages auf jeden Fall mit den Therapeuten abgestimmt sein. Weniger ist hier oft mehr.
Man muß sich darüber im Klarem sein, ob das Hauptgewicht der zu erstellenden Anlage auf der Sinneserfahrung oder der Gehübungssituation liegt.
Auch für Rolliübungen kann man verschieden Beläge andenken, muß dabei natürlich das Leistungsvermögen beachten. Ein Eigenversuch im Rollstuhl ist bei jedem Planer angebracht.
Mögliche Beläge für Tasterfahrungen wären:
• Sand
• Splitt (die runden Körner nehmen, wegen der Möglichkeit des Barfußgehens)
• Rindenmulch (möglichst große Stücke)
• Lecaton (Keine zu dicke Abdeckung wählen9
• Holz als Fliesen oder hochkant gestellte Palisade
• Steine (ebenso die Barfußmöglichkeit beachten !)´
Mögliche Beläge für Geh- und Rolliübungen sind
• wassergebundene Decke
• verschieden Pflasterarten
• Rasen
• Splitt
Die Länge der einzelnen Elemente sollte wenigsten 3 bis 4 Meter betragen, besser sogar mehr, denn man braucht ein paar Schritte, sowohl für Tasterfahrung als auch für Übungen. Abwechselnd die Füße auf den einen und dann auf den anderen Belag zu setzten nutzt in der Praxis kaum.
4. Ausstattung
Die Handläufe sollten am Besten rund sein. Maximaler Durchmesser sind 8 cm. Bei Kindern ist ein kleinerer Durchmesser sinnvoll. Ebenso ist es mit der Höhe der Handläufe. Auch hier sollte man den Therapeuten hinzuziehen.
Als Material hat Holz den Vorteil sich nicht im Sommer aufzuheizen. Eisenhandläufe kann man oft gar nicht anfassen.
Da Außengehschulen realistischerweise fast nur in der Schönwetterzeit genutzt werden ist dieses ein wichtiger Punkt.
Dieser spiegelt sich auchin der Bepflanzung wieder. Einige entsprechende Sträucher mit einer typischen Sommerblüte sind auch für die Aktivierung von Vorteil.
Ansonsten gilt eher eine zurückgezuogene Bepflanzung, die aber auch:
• die Formen der Elemente unterstützt
• einen Sturz abfangen kann
• einen solchen ohne Zerstörung ertragen kann
• nicht zu sehr von den Übungen ablenkt.
Andreas Niepel / Hattingen