Garten- und Hühnertherapie
im Krankenhaus St. Laurentius Stift Waltrop - Hochstraße 20 45731 Waltrop
Gartentherapiegruppe im St. Laurentius Stift Waltrop
Der Gedanke
Schon seit dem Frühjahr 2004 sind auf der Station 4 des St. Laurentius- Stiftes Waltrop die Gedanken über einen Patientengarten im Gespräch. Der Gedanke wurde von Sr. Mariola Breitzmann aufgenommen und eine neue Therapiemöglichkeit im psychiatrischen Stationsalltag überlegt. Sie besprach die Idee zunächst mit dem Pflegedienstleiter Hr. Kuhlmann und im Herbst 2004 kam grünes Licht für einen grünen Gedanken.
Das Konzept
Zunächst erarbeitete Sr. Mariola ihr Konzept „Gartengruppe“, aufgegliedert in:
• Gartenarbeit als Therapie
• Zusammensetzung der Gartengruppe
• Die Ziele der Gartengruppe
• Ziele und Erwartungen aus Sicht der Gruppenleiter
• Aufgaben und Stellung des Leiters
• Organisation und Methode des Gruppenablaufes
Die Planung
Im Herbst 2004 wurde ein kleiner Zaun um das vorgesehene Gartenstück aufgestellt. Ein Weg aus Baumrinde wurde durch den Garten gestreut, die ersten Blumenzwiebeln eingepflanzt, dann kam der Winter.
Eine Gartenplanskizze wurde nicht gezeichnet, sondern existierte nur im Kopf von Schwester Mariola. Im Frühjahr wurden die letzten Einkäufe z.B. Gewächs-Haus, Spaten, Hacken, Gartenscheren usw. erledigt. Anfang April 2005 nahm die Station 4 die Therapiegruppe: „Gartengruppe“ in ihren Therapieplan auf. Das Projekt ist stationsübergreifend geplant und gestartet.
Wann wirkt Gartentherapie?
Gartentherapie ist besonders präventiv und in der Phase der Integration und Neuorientierung wirksam. Wichtig ist, dass der Wille zum Leben vorhanden ist. Es gilt, dem Willen zur Veränderung eine Perspektive zu geben. Sie ist nur begrenzt angezeigt in der Phase der Stabilisierung und der konkreten Arbeit am Trauma. Auch in dem Bereich der Motivierung von Schwerkranken sind die Erfolge eher schwach, da die Stärke des Reizes häufig nicht ausreichend ist. Erfolgreich wirkt hier z.B. die Delphintherapie, wo die wechselseitige Resonanz zwischen dem Kranken und dem Tier unmittelbar und stark ist. Auch zwischen Pflanzen und Mensch wirkt die wechselseitige Resonanz als Schlüssel.
Was macht die Arbeit im Garten so heilbar?
Die Heilkraft der Natur liegt in der Pflanzenvielfalt, in der sich unsere menschliche Vielfalt spiegelt. Die Pluralität der Pflanzen ist notwendig, um die eigenen Muster zu erkennen und dann in einem weiteren Schritt zu verändern bzw. neue Muster zu integrieren.
Wie heilt die Begegnung mit der Pflanze?
Heilung ist erfolgt, wenn ein neues Muster angelegt ist und sie sich wieder den Rhythmen in der Natur bewusst und im Einklang mit ihnen sind. Jeder Zyklus oder jedes Muster das wir betrachten, enthält ein Element der Verbindung. Hier ist es die Kommunikation mit Pflanzen. Zunächst geht es um das Trainieren der Sinne, um offen und empfänglich zu werden. Zu klären sind dann meist Fragen wie: Was muss ich im Alltag verändern? Wie will ich meine Energien nutzen? Pflanzenenergien geben Impulse und stärken uns.
Sensitives Training:
Die Schulung der Sinne, insbesondere des Geruchssinns und des Tastsinnes, führt zu einer veränderten Wahrnehmung:
Sie werden offener und empfänglicher, wenn sie berühren und bewusst riechen und Dinge annehmen.
Rhythmen der Natur bewusst wahrnehmen:
• Wie erkenne ich Rhythmen?
• Am Beispiel der Sterne und Pflanzen.
• Wie finde ich meinen Rhythmus?
• Am Beispiel des Sandgartens.
• Wann befinde ich mich im Einklang mit den Rhythmen der Natur?
• Rituale.
• Wie lerne ich den Rhythmus des Samens anzunehmen?
• Mondphasen.
Muster der Kraft, Heilung und Ruhe unterscheiden und schaffen können:
• Jeder Rhythmus manifestiert sich in einem Muster oder in einer Form oder auch einer Farbe.
• Wie sieht ein Muster der Kraft aus?
• Am Beispiel von Blumenteppichmustern.
• Wie sieht ein Heilgarten aus? Was charakterisiert ihn?
• Am Beispiel des Feng Shui.
• Wie sieht ein Meditationsgarten aus?
• Am Beispiel der Teegärten in Japan.
Organisation und Methode des Gruppenablaufes
Die Gartengruppe findet einmal wöchentlich vormittags von 10:00Uhr bis 12:00Uhr statt. Die Patienten kommen aus den verschiedenen psychiatrischen Abteilungen, wo zuvor vom Team und dem behandelnden Arzt die Auswahl der Patienten festgelegt wird.
Nachdem sich der Gartengruppenleiter ein Bild über den Zustand des Patienten gemacht hat, kommt er zum Treffpunkt der Gruppe, wo dann - nach einem kurzen organisatorischen Gespräch- die anfallenden Arbeiten verteilt werden.
Diese Gartenarbeitsverteilung wird den Patienten selbst überlassen, ggf. kann der Leiter helfend beraten.
Durch den ganzen Garten verläuft ein roter Faden, der als Symbol für Sinnsuchen und Selbstfindung steht. Es fängt mit dem gemeinsamen Einkauf von Samen, Töpfen und Erde an und verläuft nach festen, einsichtigen Schema:
säen, pflanzen, pflegen, wachsen, ernten.
Die laufenden Arbeiten hängen von der Witterung und der Jahreszeit ab.
Das Gewächshaus
Ein schönes großes Gewächshaus ist der Traum vieler Gartenfreunde. Das ganze Jahr über wird das lecker schmeckende Gemüse angebaut.
Die Sonnenstrahlung besteht zum Teil aus sichtbarem Licht, Glas und Plaste- Werkstoffe wie Folie und Stegplatten, sind für das sichtbare Licht, das relativ kurzwellig ist, durchlässig. Das Licht kann also gut in das Gewächshaus eindringen. Der dunkle Boden und die Pflanzen absorbieren das Licht, es kommt zur Erwärmung. Wärmestrahlung ist langwellig und kann Glas und Plastwerkstoffe fast nicht durchdringen, das Gewächshaus heizt sich auf, wir sprechen vom Treibhauseffekt. Man unterscheidet bei Gewächshäusern die traditionelle Bauweise, ursprünglich mit Glas, seit einigen Jahren auch mit Plaste- Stegprofilplatten und die Abwandlungen, den Folietunnel und das Foliezelt. Das Frühbeet, das Tomatenhaus und selbst die Pflanzhaube, vom Prinzip her - alles Gewächshäuser.
Der Aufbau des Gewächshauses
Nachdem die ersten Spatenstiche gemacht waren, suchte Sr. Mariola Breitzmann mit den Patienten einen geeigneten Patz für ein Gewächshaus. Bei einer Außenaktivität, in der nicht nur die ersten Blumenzwiebeln und Gartengeräte eingekauft wurden, sind die Augen an einem Prospekt hängen geblieben. Kurz entschlossen wurde es mitgenommen und die erste große Anschaffung war gedanklich unumgänglich. Der Kostenfaktor gestaltete sich jedoch nicht so schwierig, wie der zeitliche Kampf um den Aufbau. Es fand sich dann jedoch vom technischen Dienst der eine oder andere Kollege bereit der Gartengruppe zu helfen. Wir sind ihnen sehr dankbar.
Der Hühnerstall
Am 11.Juli 2006 setzte sich eine Kommission zusammen, um ein neues Projekt ins Leben zu rufen. Es begann die Projektgruppe: „Therapiegarten“, unter der Moderation von Hermann- Josef Block. Die Kommissionsteilnehmer wurden über den vortägigen Ortstermin mit der Firma Ribbrock informiert. Es sollte nunmehr die Festlegung der Standorte für das Aufstellen des Pavillons, der Anlage des Sinnesweges und des Beach- Volleyballfeldes erfolgen und die Finanzierung überprüft werden.
Als Ergebnis der 1.Sitzung konnte fixiert werden:
• Entscheidung für einen Hühnerstall mit Auslauf
• Beschaffung des Hühnerstalls
• Standort des Hühnerstalls
• Organisation von Fütterung und Pflege der Tiere
• Klärung mit Hygienebeauftragtem, Veterinäramt und Gesundheitsamt
• Beschaffung von Futtermittel
Die Planung für die Gartengruppe bestand für 2006 aus einem Gartenteich anlegen, säen, ernten und zyklische Gartenarbeit. So entstand Zeit, um den Hühnerstall zu imprägnieren, aufzubauen und zu gestalten, nach Vorlagen des Veterinäramtes und Gesundheitsamt. Natürlich sollen sich die Hühner wohl fühlen.
Hühner und Therapie
Menschen die Tiere versorgen, sind oft aktiver und selbstbewusster. Tiere können zwar zwischenmenschliche Kontakte nicht ersetzen, aber zur Verbesserung des Wohlbefindens beitragen.
"Hund, Katze und Vogel sind oft besser, als jedes Medikament", betont Prof. Dr. Erhard Olbrich (Psychologe). Darum ist man dazu übergegangen, Tiere als Therapiebegleiter einzusetzen.
Leben mit Tieren ist seit vielen Jahrhunderten bei uns eine Selbstverständlichkeit. Die Entwicklung und Erhaltung von Kompetenz in der Menschheit- Geschichte ist eng mit dem Tier verbunden; mit dem Tier, dass man isst und nutzt und mit dem Tier mit dem man spielt und das einem als Individuum mit "Du- Evidenz" nahe steht und das man deshalb nicht isst. Heute zeigen Ergebnisse der Verhaltensforschung und der Verhaltensendokrinologie immer deutlicher, dass Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier auf der Emotionalen sehr groß sind. Die animalischen Wesen sollen animieren, beseelen, beflügeln und motivieren. Hier soll viel mehr die Rede von der Beteiligung von Tieren bei herkömmlichen Hilfen und Therapieformen aus dem Bereich der Gesprächs- Psychotherapie, der Beschäftigungstherapie, der Krankengymnastik bis hin zur Seelsorge.
Ziele der Therapie:
Die Tiere haben dabei die Aufgabe eine Entspannung zu bewirken und Ängste von Kontakten mit Therapeuten und Mitpatienten zu überwinden. Es sollte die Rede sein von Angeboten an Menschen, durch Tierkontakte und durch über Tiere vermittelte Kontakte mit Menschen, ihre emotionale Kompetenz zu erhalten. Dieses Gehege führt zu vermehrten Kontakten zwischen Pflegepersonal und Patienten untereinander, aber auch zwischen Patienten, Besucher und Kindern aus beiden Fachabteilungen unseres Hauses.
Organisation:
Die Organisation entspricht den vorgeschriebenen gesetzlichen Anforderungen. Diese sind mit den entsprechenden Verantwortlichen für Hygiene (Hr. Strohdeicher), für den Tierschutz (Fr. Dr. Böhling), für tierpflegerische und tierärztliche Grundversorgung (Hr. Kerkhoff- Geflügelimpfbeauftragter des Kreises Recklinghausen) und dem Gesundheitsamt (Fr. Dr. Nogei) abgestimmt.
Um die Ziele einer tiergestützen Therapie zu erreichen, muss enger Kontakt zwischen allen Therapeuten und Patienten gehalten werden. Die Fütterung der Tiere und die Reinigung des Stalls werden im Rahmen der Gartentherapiegruppe geplant und durchgeführt.
Hühner- Futterplan
• 1.) Täglich (morgens) 2 Becher Körnerfutter in den Futtertrog
• 2.) alle 2 Tage frisches Wasser und Reinigung der Tränke
• 3.) 2-mal wöchentlich Montag und Donnerstag Mineralienpulver (5 Teelöffel) zufüttern im Futtertrog
• 4.) donnerstags Grundreinigung des Stalls und des Auslaufes
• 5.) täglich Futterreste (Obst, Gemüse o. ä.) entfernen
• 6.) Abends beachten, dass die Hühner im Stall (oben) übernachten
• 7.) Äpfel oder ähnliches höchstens alle 2 Tage füttern
• 8.) Der Schlüssel für den Hühnerstall kann jederzeit im Schwesternzimmer der Station 4 von festgelegten Patienten abgeholt werden.
Der Sinnesgarten Schließe die Augen
Höre in dich hinein
Schmecke und fühle die Luft die dich umgibt
Taste nach deiner Umgebung und finde Halt
Spüre den Boden unter deinen Sohlen
Erkenne und erlebe wer und was du bist.
(Helga Eriksson)
Die Projektgruppe: „Therapiegarten“, ist aus dem Vorläufer der Gartentherapiegruppe der Station 4 der psychiatrischen Abteilung des St. Laurentius Stift Waltrop entstanden. In der Entwicklung der Grundstück-Gestaltung kamen verschiedene Mitarbeiter des Hauses zusammen und stellten ihre Ideen der Betriebsleitung und Geschäftsleitung des Hauses vor.
Neben dem Gartentherapiegarten befand sich noch eine große Rasenfläche, der Platz für einen Sinnesgarten und Volleyballplatz bot und hergerichtet werden könnte. Nach ersten Messungen und überprüfen der notwendigen Bauanträge, war es dann so weit.
Die Gartentherapie hat sich sehr gut etabliert und ist eine sehr beliebte Therapie der Abteilung. Kaum eine andere Therapiegruppe kann so deutlich ihre Freude, Interesse und Erfolge nach außen tragen. Über säen, pflanzen, pflegen, wachsen, ernten, bis in den Kochtopf der Kochgruppe der Abteilung, können wir einen fortwährenden Kreislauf verfolgen. Das Kräuterbeet verführt alle Resonanzböden der Nasen, die über ihm schweben. Ob Mensch oder Tier, ob alt oder jung, kaum einer kann sich dem natürlichen Duft der Kräuter entziehen. Die Singvögel kehren zurück, es wird über Brut- und Nistkästen nachgedacht, ein Erlebnishochbeet ist in Planung. Auch Insekten haben unsere Aufmerksamkeit; eine Insektenmauer können wir uns gut vorstellen. Am kleinen Teich des Gartens, in dem kleine Fische leben, belüftet durch eine Solarbetriebene Brunnenpumpe, können wir Libellen beobachten. Das Regenwasser wird gesammelt und zum gießen benutzt. Abends leuchten kleine Solarlampen den Gartenweg entlang. Grün gibt uns Kraft und Luft zum Atmen. Die zarten Pflanzen mit leuchtenden Farben veranlassen zum Innehalten und laden zu vorsichtigen Berührungen ein. Die Sinne werden wach, Ruhe und Gelassenheit kehren ein.
Seit einiger Zeit sind im Hühnerstall englische Kampfhühner eingezogen. Diese sind handzahm, können mit zur Verfügung gestellten Körnern gefüttert werden, nehmen die Körner selbst vorsichtig vom Finger. Besonders erwähnenswert ist die Betreuung, hauptsächlich über die Patienten der Klinik.
Eine Oase der Besinnung für alle Patienten des Krankenhaus St. Laurentius Stift Waltrop wurde geschaffen und ist ein gerne besuchter Platz in den Therapiepausen und Besuchszeiten ein beliebter Ausflugsort. Selbst ehemalige Patienten und Waltroper Bürger schauen gerne vorbei.
November 2006
Internet / Presse
23.01.2007
Psychotherapie: Hühner im Probe-Einsatz
Im Waltroper Krankenhaus St.-Laurentius-Stift werden Hühner zur Behandlung von psychisch Kranken eingesetzt. Wie die Einrichtung mitteilte, haben drei Patienten der psychiatrischen Abteilung die Aufgabe, sich um drei kleine Hennen und einen Hahn zu kümmern. Die Vögel sind in einem sechs Quadratmeter großen Stall im Park des Krankenhauses untergebracht. Die Patienten sollen die Hühner füttern und mit Wasser versorgen sowie die Voliere regelmäßig reinigen. Dadurch sollten sie Ängste ablegen und schneller Vertrauen zum Krankenhauspersonal entwickeln, hieß es. «Manche lernen mit Hilfe der Hühner eine neue Verantwortung zu übernehmen - nicht wenige schrittweise auch für sich selbst und ihre Angehörigen zu Hause», berichtete Stationsleiterin Mariola Breitzmann. Die Arbeiten mit den Hühnern ist Teil einer Gartentherapie, die seit 2004 mit den Patienten durchgeführt wird. Da die Arbeit mit den Hühnern den Angaben zufolge auf großes Interesse bei den Patienten gestoßen ist, soll der Stall demnächst auch für andere Patientengruppen und Besucher geöffnet werden. Zudem sollen zwei bis drei weitere Vögel hinzukommen.
Quelle:netdoktor.de
Kurier zum Sonntag
Hühner und Patienten tun sich wechselweise gut
Neue Therapie im St.-Laurentius-Stift Waltrop
WA. Für Schwester Mariola Breitzmann schließt sich ein Kreis: Mit Hühnern wuchs sie in ihrer polnischen Heimat auf. Hühner hat sie sich nach Auswanderung in ihrem neuen Zuhause in Castrop-Rauxel angeschafft. Und nun hält sie auch welche an ihrem Arbeitsplatz am Waltroper St.-Laurentius-Stift. Deren wohltuende Wirkung kommt dabei vor allem den Patienten zugute.
Die neue Voliere ist seit kurzem die Hauptattraktion des Krankenhausparkes: Im sechs m² großen überdachten Stall scharren und picken drei kleine Hennen und ein Hahn gelassen vor sich hin. Die Gattung heißt bezeichnenderweise „Moderne Englische Zwergkämpfer“. Tatsächlich sind diese Tiere nicht nur besonders friedlich, sondern auch genügsam, zahm, zutraulich, neugierig, stressresistent und unempfindlich gegen Kälte und Nässe – ideale Voraussetzungen, um diese Tiere regelmäßig mit Patienten zusammenzubringen. Täglich kümmern sich drei Patienten der psychiatrischen Abteilung um die „kleinen Engländer“: vom Füttern mit Körnerfutter und Mineralien über das Befüllen der Tränken mit frischem Wasser bis hin zum Reinigen der Voliere und das Holen der Eier aus dem Nest. Schwester Mariola erlebt sogar hin und wieder, dass Patienten die Tiere in ihre Schlafbox heben. „Unsere Voliere bringt den Patienten eine Menge: Sie legen Ängste ab, können sich besser entspannen, fassen schneller Vertrauen zu unseren Ärzten, dem Pflegepersonal und den übrigen Therapeuten. Manche lernen mit Hilfe der Hühner eine neue Verantwortung zu übernehmen – nicht wenige schrittweise auch für sich selbst und ihre Angehörigen Zuhause“, berichtet die 47-jährige Stationsleiterin und bestätigt damit die Erkenntnisse aus mehreren Forschungsprojekten und ihre ausführlichen Recherchen bei einem spezialisierten Hühnerzüchter.
Im Schwesternzimmer hat sich die Seiten eines Gästebuches binnen weniger Wochen schnell gefüllt. Patienten jeden Alters bedanken sich für die Möglichkeit, sich um die Hühner kümmern zu dürfen. So schreibt z.B. die Waltroperin Katrin Itzel (Name geändert) „Ich freue mich auch über die Hühner, die das Ganze noch lebendiger machen. Ich hoffe und wünsche mir, dass das noch lange erhalten bleibt, denn der Zusammenhalt unter den Patienten ist einfach nur einmalig. Wie viele Ideen und Initiativen dort schon entstanden sind, kann man gar nicht beschreiben. Man muss es einfach erleben.“ Die Arbeit mit den Hühnern ist eingebunden in die Gartentherapie. Seit 2004 kümmern sich Patienten um die Pflege eines Zier-, Obst-, Gemüse- und Kräutergartens. Mit Ausnahme des Gewächshauses haben sie alle Anlagen, inklusive eines kleinen Teiches, einer Sitzecke und eines Rundweges, mitgeplant und mitgebaut. Das Tomaten, Gurken, Basilikum, nicht zuletzt die Eier und alles andere landen natürlich nicht auf dem Kompost. Die Ernte wird im Rahmen der wöchentlichen Kochgruppen auf den psychiatrischen Stationen eingesetzt. „Die Hühnertherapie ist eine tolle Ergänzung für die Gartengruppe. Unsere Investition hat sich mehrfach ausgezahlt. Ich bin froh, dass Schwester Mariola hartnäckig war und sich auch von bürokratischen Hürden und einigen Hygiene-Bedenken nicht hat aufhalten lassen. Auf dem Weg wollen wir weitermachen“, bilanziert Pflegedienstleiter Ulrich Kuhlmann die ersten Erfahrungen. Und wie nicht anders zu erwarten, hat Schwester Mariola längst Ausbaupläne im Kopf: Demnächst schafft sie zwei bis drei weitere Tiere an und will ihren Hühnerstall auch anderen Patientengruppen und Besuchern öffnen.