Der umschlossene Garten der Klinik Holthausen
„Sichtbares Gefüge wird nachvollziehbar. Das Gefühl von Geborgenheit entsteht nicht durch Behütetsein, sondern durch die Empfindung und den Nachvollzug von Ordnung, die sichtbar ist.“
Hugo Kükelhaus
Erläuterung der Planung
- Die Mauer
- Das Baumdach
- Das "blaue Band"
- Die bepflanzung
- Planzeichnung
- Regelmäßige Bau – und Entwicklungsbilder ( letzte Aktualisierung : )
- zur Regelmäßige Bau – und Entwicklungsbilder ( letzte Aktualisierung : )
Der „umschlossene Garten“ an der Klinik Holthausen entsteht zur Zeit (im Jahre 2002) im Zuge diverser strukturverändernder Umbaumaßnahmen an der Klinik Holthausen.
Der “geschlossene Garten” orientiert sich dabei patienten - und potentialorientiert an Patienten mit zum Teil schwersten neuropsychologischen Störungen, die hier adäquat behandelt werden,
Gestaltungsziel dieses speziellen Gartenteiles ist die Erschaffung eines Bereiches, der von diesen Patienten nahezu jederzeit und ohne Begleitung genutzt werden kann. Im Alltag der besonderen Stationsverhältnisse stellt dieses eine erhebliche Verbesserung der Qualität des Aufenthaltes dar.
Die Grundform
Der Gartenteil ist für einen Innenhofgarten zunächst einmal relativ groß. Die umschlossene Fläche beträgt ca. 900 m2. Bei dem Bewegungsbedarf der angesprochenen Patienten erscheint dieses auch als absolut sinnvoll. Nirgendwo im Hause/ auf der Station haben sie die Möglichkeit diesen Bewegungsdrang ansonsten derart frei auszuleben.
Hieraus ergeben sich jedoch auch weitere Notwendigkeiten.
Einer ist es, dass der Garten möglichst barrierefrei erstellt werden muß. Aus diesem Grunde liegt er zunächst fast eben. In Verbindung gesetzt mit der vorhanden Topographie ergibt sich so die Notwendigkeit einer Abstützung ( Die Mauer) .
Die Notwendigkeit der Barrierefreiheit zeigt sich aber auch in Details, wie jenem dass keine Drainrinnen direkt vor den Ausgängen vorgesehen sind.
Aber nicht nur von der funktionellen Seite her, sondern insbesondere von der Wirkung des Gartens, sind bei den zu erwartenden Patienten, Barrieren abzubauen.
Dieses bedeutet beispielsweise, daß leichte und fließende Übergänge vom Innenbereich notwendig sind, der Patient soll nicht plötzlich draußen stehen, und hier „quasi wegfliegen“. Einmal gibt dafür die rundumlaufende Mauer einen optischen Halt, andererseits soll das Baumdach für den entsprechenden Übergang sorgen.
Die Bewegungsfläche des Gartens sollte möglichst groß sein, so dass dadurch der Anteil befestigter Flächen sehr hoch ist.
Dieses wird vor allem durch die große Fläche unter dem Baumdach gewährleistet. Neben dieser Grundfläche gibt es ein (kleines) Wegenetz, wobei die Betonung durchaus auf dem Netz liegt , den auf keinen Fall soll ein reiner „gefängnisähnlicher“ Rundweg entstehen. Dieses ist ein Grund der zu den verschlungenen Kreisen als Grundmuster führte. Der zweite Grund ist jener , daß diese Formenwahl auch in anderen Teilen des Gesamtparkes der Klinik Holthausen zu finden ist. In vielfältigen kreisen zeigt sich dieser Park auch dem Patienten der in diesem Bauteil aus seinem Zimmer schaut.
So soll ihm durch die gleiche Formenwahl der geschützte Garten nicht wie ein Fremdkörper vorkommen, sondern er soll als ein weiterer Teil des Gesamtparkes wahr genommen werden.
Zum Zwecke der Einbindung in den Gesamtpark ist auch eine entsprechende Bepflanzung um den geschützten Garten herum vorgesehen.
Ein weiterer Grund der für dieses Kreis-Muster spricht ist die sofort erkennbare einfache Grundform des Gartens. Der Garten soll in seiner Ausrichtung und Formensprache klar ersichtlich und nachvollziehbar sein, durchaus dem zuvor gesetztem Zitat von Hugo Kükelhaus entsprechend.
Die Mauer
Der Garten ist als ein „geschlossener Garten“ zu konzipieren. Die Art der Störungen dieser Patienten , die als Zielgruppe für die Planung vorgesehen sind machen diese Vorgabe notwendig. Durch den Garten wird somit ein weiterer, zunächst nur eben dachloser , „Raum“ entstehen, der eine wichtige Funktion in der Therapie erhalten soll.
Rein praktisch gesehen wird er der zentrale Aufenthaltsraum sein. Hier können- bei geeigneter Witterung- die Patienten während der therapiefreien Zeit verweilen. Damit dieses ohne eine ständige Anwesenheit des Personals ermöglicht wird, ist also eine komplette Umschließung des Raumes notwendig.
Dieses ist grundsätzlich mittels eines Zaunes möglich, durch eine dichte Hecke ,sowie durch eine Mauer.
Die Planung hat sich für eine Mauer entschieden. Einmal erschien dieses sinnvoll ,weil eine solche Abstützung aufgrund der Topographie ohnehin notwendig war ( ca. 2 Meter Höhenunterschied zwischen dem gewünschten nahezu ebenen Niveau des Garten und der Umgebung). Andererseits soll mittels der Mauer der Eindruck eines befriedeten , eines geschützten Raumes ermöglicht werden.
Die Mauer soll nicht als notwendiges Übel, sondern als ein positiver Aspekt wahrgenommen werden. Geschlossene Gärten, Innenhofgärten sind in der Gartengeschichte keineswegs nur als negative Beispiele bekannt.
Durch den mit einem warmen Gelbton gestrichenen Kellenputz soll eine geradezu mediterrane Wirkung erzielt werden, die ebenso durch das Baumdach unterstützt werden soll. In die Mauer hinein sind mit Fliesen die verschiedensten Ornamente eingebracht. Elemente , die sich im Übrigen auch später im Zuge des blauen Bandes wiederfinden.
Durch das Anbringen einer Pergola wird zudem der Mauer stark das „mauerhafte“ Element genommen, als daß sie viel mehr als Laubengang wirkt, und somit zum Entlangwandern einlädt.
In den Bereichen in denen die Mauer klar ohne Pergolen zu erkennen ist, sind zudem Staudenbeete vorgesetzt. Beete, die ihrerseits die Mauer als Hintergrund nutzen, diese aber ebenso in ihrer Wirkung abschwächen. Dazu kommt, daß gerade in diesen Bereichen oberhalb der Mauer die Gräser, Gehölze und Stauden angepflanzt sind, die auch im Garten oftmals sogar direkt am Fuße der Mauer vorzufinden sind.
Die Mauer soll rund sein, den Patienten also in keiner Ecke „einfangen“ , sie soll zusammen mit dem blauen Band leiten, und sie soll dem Personal den kompletten Überblick ermöglichen.
Das Baumdach
Im direkten Bereich des Ausganges aus dem angegliedertem Klinikteil in den Garten entsteht wie erwähnt ein großer Platz als „Aufenthaltsraum“ für die Patienten.
Da die Patienten ein dringendes Schattenbedürfnis haben ( beispielsweise durch Wechselwirkung mit Psychopharmaka, sowie in der Folge von Kopf-OP`s), der Garten aber in Südrichtung aufgebaut ist, muß hier dringend für Schatten gesorgt werden.
Dieses geschieht durch ein dichtes Baumdach mit geschnittenen Platanen. Zudem wird hierdurch die mediterrane Wirkung der Mauer noch verstärkt. Dieses ist auch ein Grund warum dieser Platz befestigt und mit einer sandgelben Decke versehen wird ( neben der Tatsache natürlich ,dass hier im Schatten Rasen kaum ein Chance hätte).
Das vertikale Element der Baumstämme nimmt ebenso der Mauer als bestimmendes vertikales Element in diesem ansonsten ebenen Garten einen Teil ihrer plötzlichen Wirkung. Das Baumdach lockert sich nach Süden hin auf, so dass dennoch durchaus und wenn gewünscht, eine sonnige Wirkung genossen werden kann. ( Hier befindet sich dann auch der Rasen).
Auf kleiner Fläche sollen zwei grundsätzliche unterschiedliche Wahrnehmungen der Umwelt möglich sein : Höher gelegen – Tiefer ; Sonnig – Schattig ; Frei – Umschlossen etc.
Wie angesprochen soll der Garten natürlich in Beziehung zum umgebenden Park gesetzt werden. Also optische Verlängerung werden die Baumreihen deshalb über den geschlossenen Garten hinaus noch in die Landschaft hin fortgesetzt.
Hierbei besteht zur zeit die Überlegung diese Platanen in die Landschaft hinein ungeschnitten, bzw. weniger beschnitten zu belassen.
Das blaue Band
Beherrschender Farbton im Garten wird ein sandiger Gelb-Ton sein. Dieser findet sich in der Mauer wieder, im Kiesbelag der Asphaltfläche sowie in der Pflasterung der Terrasse und des nördlichen Ringes. Durch den Rasen, das Baumdach und die Gräser ergänzt sich dieses Farbspektrum für einen Garten auch naturgemäß im grünen Bereich. Als dazu harmonierender dritter benachbarter Ton, aber auch als Kontrast zum Gelb wird die Farbe Blau im Garten überall wieder zu finden sein. Diese umgrenzt und verstärkt dabei die Formenwahl des Gartens, wenn sie als Band die eckigen in Reihe ausgerichteten Baumscheiben umgrenzt , die umlaufenden Berankungsbeet umfaßt oder die Form der Terrasse nachzeichnet. Dieses Band wird aber auch wie ein roter blauer Faden den gesamten Garten umspannen und dabei den Patienten führen. Es hat also ein klare Aufgabe und Funktion , wie es auch ästhetischen Zwecken dient.
Letzterer wird deutlich bei der Einarbeitung von ebenfalls in Teilen blauen Fliesenornamenten in die Mauer, aber auch bei dem Augenbeet, welches von blauen Wellenlinien durchstrichen und mit blattförmigen blauen Trittsteinen diese Ornamente wieder aufnimmt. Hier haben diese Wellenlinien aber auch eine ganz klare und notwendige Funktion, nämlich die Bildung von Wurzelbarrieren für die vielen Gräser der Bepflanzung.
Die Bepflanzung
Der Hauptteil des neuen entstehenden Gartens ist zwar befestigt, aber natürlich gibt es keinen Garten ohne Pflanzen.
Die Art der Bepflanzung ist dabei von mehreren Faktoren abhängig.
Ein ganz wichtiger ist natürlich die spätere Pflege.
Etwa ein Drittel der Beetfläche wird deshalb durch die dichten Unterpflanzungen der Solitäre und Berankungen ausgemacht. Diese werden auch sehr stark dafür sorgen, daß der Garten dennoch als grün und bewachsen empfunden wird.
Natürlich müssen aber gerade hier in diesem Garten blühende Pflanzen vorkommen. Besonders solche Pflanzen, die bestimmte Jahreszeiten anzeigen sind äußerst wichtig in der zeitlichen Orientierung der Patienten. Deshalb begegnen dem Patienten hier Narzissen, Krokusse und Muscari als Frühlingsanzeiger, Forsythien, Clematis und Amelanchier mit ihrer typischen jahreszeitlichen Blüte, sowie als Sommerblüher Taglillie, Margerittem Schafgarbe oder Sonnenhut. Für den Herbst stehen Astern und besonders auffällige Laubfarben, wie die des Pfaffenhütchens. Und für die Winterwirkung sind vor allem die Gräser mit ihren Fruchtständen , so wie diverse immergrüne Pflanzen verantwortlich. Es sind also „typische“ Pflanzen, und es sind nicht ohne Grund in Hinblick auf die Patienten „altbekannte“ Pflanzen, die ihren Platz in drei Staudenbeeten an der Mauer im Bereich über dieser, in den Unterpflanzungen und vor allem im zentralen Augenbeet finden.
Die Bepflanzung der Mauerbeete orientiert sich stark an herkömmlichen Staudenbeeten. Hier werden sich auch Pflanzen und Elemente aus dem Restpark wiederfinden. Zudem werden diese Elemente über der Mauer wiederholt , so dass beispielsweise bestimmte auffällige Gräser sowohl am Fuße der Mauer als auch über deren Kante hinüber wachsend zu sehen sein werden.
Dieses wiederholt sich mit anderen Pflanzen, wie den auffälligen rotlaubigen Berberitzen. Das zentrale Augenbeet dagegen wird in einer Art und Weise ausgeführt, die einen möglichst geringen Pflegeaufwand gewährleistet. Jeder der Streifen bekommt seinen eigenen Charakter. Dieser ist vor allem geprägt durch die flächig verwendeten Gräser. Diese sind sehr pflegeleicht, schaffen aber die verschiedensten Eindrücke ( blaublättrig und steif , fein gegliedert, aufrecht braunrot etc.) Passend zu diesen finden sich in jedem Streifen eine Auswahl an Frühjahrsblumen wieder, die hier innerhalb der Gräser auch problemlos vergilben können, sowie ein integriertes Sortiment von jeweils drei passenden Stauden. Diese Beschränkung wird die Pflege erleichtern, aber auch einem jedem Streifen seinen eigenen Charakter geben.
Einen Sonderplatz nehmen die Pflanzen der Pergola ein. Durch das vertikale Element, welches bei großer Blühfläche nur eine geringe pflegebare Bodenfläche benötigt wird auch hier die Pflege erleichtert. Sämtliche Pflanzen sind natürlich ungiftig beziehungsweise mindergiftig, sind möglichst ohne Dornen beziehungsweise so gepflanzt , daß sie nicht oder nur mit Aufwand erreichbar sind.
Planzeichnung
für ein größeres Bild einfach dauf die Zeichnung klicken.

Die Entwicklung von der Baustelle zum Garten
Ende Januar - die Bäume werden gesetzt
Februar - die Pflasterarbeiten beginnen
März - die letzten Details der Pflasterarbeiten sind im Gange
April : Die Bepflanzung steht, und der Rasen......................rollt an
Mai : Jetzt noch die Holzarbeiten : Pergola, Torhaus und die bunten Bänke.
Bunt, denn nicht zuletzt in einem geschlossenem Garten darf und soll auch Lebensfreude Motto sein.
Juni : Die Mauer bekommt den Schlußputz, das Motto nach Hugo Kükelhaus als Inschrift und natürlich den Anstrich.
Fertig !
Nun kann die landschaftliche Umgebung gestaltet werden.